Gespräch mit Prof. Dr. Hans E. Roosendaal, Universität Twente, Strategisches Management, über Erfahrungen zur Digitalisierung einer privaten Hochschule unter Bedingungen der Corona-Krise

Sie sind Niederländer, haben unlängst die PHWT Vechta als Interim-Manager geleitet und einen Strategieprozess gesteuert, als die Corona-Krise hereinbrach. Der Kreis Vechta und umliegende Kreise waren zeitweilig besonders betroffen. Wie haben Sie den Hochschulbetrieb aufrechterhalten können?

Die PHWT war nicht völlig unvorbereitet. Seit Oktober 2019 lief unser Strategieprozess, ab Anfang März 2020 haben wir e-learning und e-governance breit installiert. Wir haben für die Umsetzung vorhandene Plattformen und Tools - z.B. Ilias und StudIP - genutzt und der Versuchung widerstanden, das Rad neu erfinden zu wollen. Die Bibliotheken sind ja voll mit Literatur über Konzepte, die man zügig umsetzen kann, und es sind digitale Materialien auf dem Markt, die genutzt werden können. Im Rahmen des Strategieprozesses haben wir die erforderlichen Schritte definiert und dann losgelegt. Wir sind, salopp gesagt, einfach ins Wasser gesprungen. Für den Erfolg war wesentlich: Die Hochschulorganisation muss eine zentrale Plattform bereitstellen und einheitliche organisatorische Voraussetzungen herstellen; es muss auf dieser Ebene vermieden werden, dass die Lehrenden anfangen, individuell zu „basteln“. Die Einrichtung der Veranstaltungen und die Zuordnung der Studierenden müssen zentral erfolgen. Digitales Lernen und Lehren muss studierendenzentriert gestaltet sein.

 

Auf welche Probleme sind Sie in der Umsetzung gestoßen?

Eines unserer Hauptprobleme waren die vor allem bei einzelnen Teilnehmenden gegebenen geringen Bandbreiten der digitalen Infrastruktur. Natürlich müssen die Abläufe und das Handling einer digitalen Lernumgebung in der Praxis eingeübt und erprobt werden. Das sind aber die typischen Probleme des Übergangs, des Anlaufs und der Eingewöhnung. Im Ergebnis dieses Prozesses werden alle Beteiligten lernen, die Potentiale des digitalen Lernens zunehmend besser auszuschöpfen.

 

Auf welche Erfahrungen aus Ihren früheren Tätigkeiten konnten Sie in diesem Fall zurückgreifen? Welche Erkenntnisse würden Sie gern weitergeben?

An der Universität Twente haben wir Digitalisierung bereits vor über 20 Jahren strategisch und praktisch implementiert. Schon damals galten die obengenannten kritischen Erfolgsfaktoren. In diesem Zusammenhang darf ich auf den von Ehlers und Schneckenberg herausgegebenen Band „Changing Cultures in Higher Education. Moving Ahead to Future Learning“ (2010) verweisen, zu dem ich auch einen Beitrag leisten konnte. Unsere Studierenden an der PHWT haben sich in einer Befragung übrigens sehr zufrieden gezeigt mit digitalem Lernen, Lehren und Prüfen an der PHWT. Ich kann sagen, dass der Erfolg uns in dem Vorgehen, das wir gewählt haben, recht gegeben hat.

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