- HochschulExpert Info 7 - update-2 August 2017

Private Hochschulen und Institutionelle Akkreditierung – statistische Daten

 

(Update - Stand: August 2017)

Dass private Hochschulen und ihre Studienangebote ein zunehmend relevanter Faktor im deutschen Hochschulsystem  sind, ist unbestreitbar. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der sozialen Durchlässigkeit des Hochschulsystems – was angesichts der von ihnen erhobenen Studiengebühren paradox erscheinen mag. [1]  Die Besten unter ihnen leisten darüber hinaus innovative Beiträge, indem sie Kundenorientierung ernst genommen und gewandelte Anforderungen der Berufspraxis und Bedürfnisse der Studierenden aufgegriffen und moderne Management-Strukturen etabliert  haben. [2]  Am anderen Ende der Skala verweisen aber auch Berichte über einzelne fragwürdige Studienkonzepte oder problematische Geschäftsmodelle auf eine weniger leuchtende Seite des privaten Hochschulbooms; es ist zu beachten, dass im Fall einer Hochschulschließung (sei es aufgrund von Insolvenz des Trägers, sei es, weil die Hochschule Mindeststandards nicht erfüllt), die Studierenden nicht geringe Risiken tragen und Zeit und Geld verlieren können. [3]

 

Quantitative Entwicklung

Der Anteil der Hochschulen in nichtstaatlicher Trägerschaft ist in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich angestiegen: im Wintersemester 2015/2016 lag der Anteil der Studierenden an nichtstaatlichen Hochschulen im Bundesdurchschnitt erstmals über 8 Prozent (absolut 196.450 Studierende). Während die Studierendenzahl an allen Hochschulen zwischen 2011/12 und 2015/16 um 15,8 Prozent anstieg, wuchs sie an den privaten Hochschulen im gleichen Zeitraum um 57,1 Prozent. Dabei ist der „graue Markt“ der Franchising-Angebote, die von einem hochschulischen Franchisegeber lizensiert sind, aber außerhalb von Hochschuleinrichtungen durchgeführt werden, nicht mitgerechnet. Auch dieser Markt wird fast ausschließlich in privater Trägerschaft betrieben. [4]

 

Die Steigerungsraten im nichtstaatlichen Hochschulsektor sind beträchtlich: Der Anteil der Studierenden stieg zwischen 1995/96 und 2015/16 von 2,0 auf 8,3 Prozent, der Anteil der Absolventen von 2,5 auf 8,7 Prozent und der der Professoren (in VZÄ) von 2,2 auf 7,0 Prozent. In absoluten Zahlen heißt dies: Waren im Wintersemester 1995/1996 an nichtstaatlichen Hochschulen lediglich 15.948 Studierende eingeschrieben, war ihre Zahl bis zum Wintersemester 2015/2016 auf 196.450 gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt; eigene Berechnungen).

 

Schaubild 1

 

 

 

Differenziert nach Bundesländern zeigt sich eine beträchtliche Spreizung. Allen anderen im Wachstum enteilt ist das Land Berlin: hier stieg die Zahl der Studierenden an nichtstaatlichen Hochschulen von 1995/96 bis 2015/16 von 124 auf 18.932, das entspricht einer atemberaubenden Steigerung von über 15.000 Prozent (Statistisches Bundesamt: Private Hochschulen: Wiesbaden 2015). Jedoch nicht nur die Wachstumsraten, sondern auch der Anteil Studierender an nichtstaatlichen Hochschulen variiert erheblich zwischen den Bundesländern: waren in Hamburg ein Viertel und in Saarland immerhin noch jeder fünfte Studierende an einer nichtstaatlichen Hochschule eingeschrieben, waren es z.B. in Sachsen-Anhalt nur 0,3 Prozent und in Rheinland-Pfalz 0,9 Prozent.

 

Tabelle 1: Studierende nach Bundesländern Wintersemester 2015/2016

 

Studierende

insgesamt

Studierende an nichtstaatlichen Hochschulen

Anteil nicht-staatliche Hochschulen in %

Baden-Württemberg

359.125

15.751

4,4

Bayern

376.488

8.806

2,3

Berlin

175.917

18.932

10,8

Brandenburg

49.395

199

0,4

Bremen

36.324

3.535

9,7

Hamburg

97.881

24.330

24,9

Hessen

244.322

19.316

7,9

Mecklenburg-Vorpommern

38.541

0

0,0

Niedersachsen

199.959

7.144

3,6

Nordrhein-Westfalen

751.740

81.953

10,9

Rheinland-Pfalz

121.459

1.116

0,9

Saarland

30.838

6.262

20,3

Sachsen

113.281

5.177

4,6

Sachsen-Anhalt

54.954

147

0,3

Schleswig-Holstein

57.412

3.001

5,2

Thüringen

50.163

928

1,9

SUMME

2.757.799

196.597

7,1

(Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.)

 

Signifikant sind auch die durchschnittlichen Größenunterschiede zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Hochschulen; dies ist im Grundsatz zwar auch in Staaten mit einem gut ausgeprägten, traditionsreichen privaten Hochschulsektor wie z.B. den USA vorzufinden, allerdings nicht in der Stärke, die Tabelle 2 und Schaubild 2 für Deutschland im Jahr 2015 zeigen. Demnach besteht die Hälfte der nichtstaatlichen Hochschulen aus Einrichtungen mit weniger als 500 Studierenden; und 55 bzw. genau ein Drittel der nichtstaatlichen Hochschulen haben sogar weniger als 250 Studierende, eine Größenkategorie, für die sich im staatlichen Hochschulsektor kaum eine vergleichbare Kategorie findet.

 

Tabelle 2: staatliche und nichtstaatliche Hochschulen nach Studierendenzahl 2015

 Studierendenzahl

Anzahl staatlich

Anzahl nichtstaatlich

% staatlich

% nicht-staatlich

< 500

18

84

7,4

50,6

500 bis <2500

34

45

13,9

27,1

2500 bis < 5000

55

29

22,5

17,5

5000 bis < 10000

57

7

23,4

4,2

10000 bis < 20000

41

0

16,8

0,0

> 20000

39

1

16,0

0,6

Gesamt

244

166

100,0

100,0

(Quelle: Statistisches Bundesamt; eigene Berechnungen)

 

Schaubild 2

 

Fragen der Qualitätssicherung

Nicht zuletzt die enorme Wachstumsdynamik des nichtstaatlichen Hochschulbereichs hat immer auch die Frage nach einer angemessenen Qualitätssicherung in diesem Sektor aufgeworfen, die schließlich (seit 2001) in der wissenschaftsgeleiteten externen Begutachtung in Form einer Institutionellen Akkreditierung unter Obhut des Wissenschaftsrates (WR) die derzeit gültige Lösung gefunden hat. Die Institutionelle Akkreditierung soll klären, ob es sich bei der zu prüfenden Einrichtung "um eine Hochschule handelt, an der Leistungen in Lehre und Forschung bzw. Kunstausübung erbracht werden, die anerkannten wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Maßstäben entsprechen." Die Ergebnisse dieser Begutachtung bilden die Grundlage für die Entscheidungen der Länder über die staatliche Genehmigung der betreffenden Hochschule. Für nichtstaatliche Hochschulen in Gründung führt der WR ein vereinfachtes, im Kern sehr ähnliches Verfahren einer sog. Konzeptprüfung durch, auf deren Basis eine i.d.R. befristete staatliche Anerkennung erfolgt.

Zwischen 2001 und Juli 2017 wurden vom Wissenschaftsrat

  • 90 nichtstaatliche Hochschulen akkreditiert, davon 47 bereits reakkreditiert,
  • 12 Hochschulen nicht akkreditiert/reakkreditiert,
  • 27 Verfahren nicht eröffnet oder mussten abgebrochen werden, sind also im Prinzip als gescheiterte Verfahren zu werten.

In nahezu allen Fällen wurden im Zuge der Akkreditierungsverfahren Auflagen und Empfehlungen ausgesprochen, die sich – obwohl die Bewertungsberichte prinzipiell nur Empfehlungen an die jeweiligen Sitzländer darstellen – in aller Regel in den Genehmigungsbescheiden der Wissenschaftsministerien wiederfinden.

In welchen Prüfbereichen finden sich besonders häufig vom Wissenschaftsrat geäußerte Monita und wie sind dies über die sieben Prüfbereiche verteilt? Die von HochschulExpert ausgewerteten 80 Verfahren[i] der Institutionellen Akkreditierung aus dem Zeitraum Mai 2012 - Juli 2017 zeigen dazu folgende Befunde:

  • In rund 89 Prozent der (Re-)Akkreditierungsverfahren zwischen Mai 2012 und Juli 2017 wurden Beanstandungen zum Prüfbereich 2 (Governance:  Leitungsstruktur, Organisation, QM) ausgesprochen; in diesem Bereich häufen sich auch die einzelnen Auflagen mit fast 60 Prozent aller insgesamt verzeichneten Auflagen im Beobachtungszeitraum.
  • In 57,5 Prozent der ausgewerteten Akkreditierungsberichte finden sich Monita zum Prüfbereich 5 (Forschung bzw. Kunstausübung).
  • Mit einigem Abstand folgen die übrigen Bereiche, angeführt von Prüfbereich 3 (Personalausstattung) mit fast 49 Prozent.

Schaubild 3 gibt Auskunft über die bisherigen Häufigkeiten von Auflagen und Empfehlungen in den Akkreditierungsberichten im Zeitraum Mai 2012 bis Juli 2017:

 

Schaubild 3

 

(Quelle: Wissenschaftsrat; eigene Berechnungen)

 

 

Wie Schaubild 4 zeigt, hat im Beobachtungszeitraum (Mai 2012 - Juli 2017) die durchschnittliche Anzahl an Auflagen pro Akkreditierungsverfahren kontinuierlich zugenommen, die gewährten Akkreditierungsfristen hingegen abgenommen. Dies kann verschiedene Ursachen haben, unter anderem die Schärfung von Bewertungskriterien seitens des WR – unverkennbar im revidierten Verfahrensleitfaden von 2015 – oder eine wachsende Sensibilisierung der Gutachterkommissionen für spezifische Problemlagen; es könnte schließlich auch infolge des sehr hohen Wachstumstempos des privaten Hochschulsektors auch auf einer Zunahme des Anteils eher schwacher Gründungskonzepte beruhen.

 

Schaubild 4: Durchschnittliche Auflagenzahl und durchschnittliche Akkreditierungsfrist erfolgreicher Akkreditierungsverfahren (Mai 2012 - Juli 2017)

(Quelle: Wissenschaftsrat; eigene Berechnungen)

 

Auflagen im Rahmen der Institutionellen Akkreditierung sind keineswegs immer ein Hinweis auf problematische Konzepte. Oftmals werden die Anforderungen der Gründungs- und Aufbauphase und die Komplexität der Aufgabe unterschätzt. Gelegentlich fehlt den Gründern auch Know How.

 

Auflagen können unterschiedlich gewichtig sein, ein Warnsignal ist ihre Häufung im einzelnen Akkreditierungsverfahren jedoch allemal. Ebenso sind kurze Laufzeiten einer Institutionellen Akkreditierung von lediglich drei Jahren (das gilt insbesondere bei einer Reakkreditierung) als deutlicher Warnhinweis zu sehen.

 

Derzeit sind 16 Verfahren der Institutionellen Akkreditierung anhängig, und zwar für folgende Hochschulen:

  • Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld (voraussichtlich Oktober 2017)
  • AKAD Hochschule Stuttgart (voraussichtlich Oktober 2017)
  • Wilhelm Löhe Hochschule (WLH), Fürth (voraussichtlich Oktober 2017)
  • hochschule 21, Buxtehude (voraussichtlich Oktober 2017)
  • Hertie School of Governance, Berlin (voraussichtlich Oktober 2017)
  • Fachhochschule Dresden (voraussichtlich Oktober 2017)
  • Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, Saarbrücken (voraussichtlich Oktober  2017)
  • Hochschule für Telekommunikation Leipzig  (bis Ende 2016 ausgesetzt; zunächst für Juli 2017, jetzt voraussichtlich Januar 2018)
  • Zeppelin Universität, Friedrichshafen (voraussichtlich Januar 2018)
  • Touro College Berlin (voraussichtlich Januar 2018)
  • Hochschule für angewandtes Management, Erding (voraussichtlich Januar 2018)
  • SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft, Hamm (voraussichtlich Januar 2018)
  • Buccerius Law School, Hochschule für Rechtswissenschaft, Hamburg (voraussichtlich April 2018)
  • design academie berlin – SRH Hochschule für Kommunikation und Design (voraussichtlich April 2018)
  • Freie Theologische Hochschule Gießen (voraussichtlich April 2018)
  • Universität Witten/Herdecke (voraussichtlich Juli 2018)

 

 

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an (05241 400 1759) oder schreiben Sie an info@hochschulexpert.de

 

 

[1]   Jan-Martin Wiarda: Sind private Hochschulen die besseren Unis? In: Die Zeit, 2.11.2016

[2] Klaus Hurrelmann: Top oder Flop, in: Zeit online (17.7.2014)

[3] „Die Hochschule hat uns nie gesagt, dass es nicht weitergeht.“ (Kunsthochschule Arnstadt-Balingen insolvent, 2013);  Bärbel Schwertfeger: Wenn im Master nicht drinsteckt, was draufsteht, in : Die Welt, 23.10.2014; Bärbel Schwertfeger: Die Globulisierungsfalle, in: Spiegel online, 17.2.2014; Ole Reißmann: Hochschule braucht Erste Hilfe, in: Spiegel online 25.10.2010.

[4] Wissenschaftsrat: Bestandsaufnahme und Empfehlungen zu studiengangsbezogenen Kooperationen: Franchise-, Validierungs- und Anrechnungsmodelle. Berlin, 20.01.2017, Drs. 5952-17

[i] In der Auswertung nicht berücksichtigt sind negative Akkreditierungsentscheidungen, da hierbei meist alle wesentlichen Bereiche als defizitär bewertet sind; ebenso unberücksichtigt sind diejenigen Verfahren, in denen es ausschließlich um die Frage geht, ob die betreffende nichtstaatliche Hochschule die Voraussetzungen für die eigenständige Durchführung von Promotionsverfahren erfüllt.

 

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